Hintergrund
 

Neue Funktionen für Kohlenstofffasern

47 Geschäftsideen hatten Studierende und Wissenschaftler der südwestsächsischen Hochschulen beim elften Ideenwettbewerb des Gründernetzwerkes SAXEED in diesem Jahr eingereicht. Ende Januar wurden die erfolgversprechendsten von ihnen bei einer Preisverleihung gekürt.

Nachdem zunächst 28 Juroren – darunter auch die Gründerberaterin der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH – eine Vorauswahl von fünf studentischen Gründungsideen und drei von Wissenschaftlern getroffen hatten, mussten sich die ausgewählten Projekte bei einem öffentlichen Pitch am 25. Januar in der TU Chemnitz dem Votum von Publikum und Live-Jury stellen. In der Gruppe der Wissenschaftler setzte sich dabei das Chemnitzer Projekt inca-fiber vor zwei Projekten Freiberger Wissenschaftler durch.

Das vierköpfige Team von inca-fiber beschäftigt sich mit der Metallisierung von Kohlenstofffasern. Mittels galvanischer Abscheidung sollen Kohlefaserverbunde so neue Eigenschaften – etwa elektrische Leitfähigkeit oder einen verbesserten Verschleißschutz – erhalten. „An den richtigen Stellen eingesetzt, kann man diese Funktionalitäten dann zum Beispiel zur Schadensdetektion oder auch als Leiterbahnen für Strom nutzen“, erklärt Falko Böttger-Hiller, der Einsatzgebiete zum Beispiel im Fahrzeug- und Flugzeugbau, aber auch bei Rotorblättern von Windkraftanlagen vorstellte. Auf ihrem Weg zum eigenen Unternehmen hat das Wissenschaftler-Team bereits einige Hürden genommen: So wird inca-fiber seit Anfang 2016 für 18 Monate im Rahmen des EXIST-Förderprogrammes des Bundes mit knapp 700.000 Euro gefördert, die außer in Personal- und Sachkosten insbesondere in eine Beschichtungsanlage fließen: „Mit dieser Versuchsanlage können wir dann unsere Technologie in großem Maßstab testen und sehen, welche Funktionserweiterungen technisch möglich und betriebswirtschaftlich sinnvoll sind – da müssen wir jetzt liefern“, so Böttger-Hiller. Bis zum Jahresende soll eine Unternehmensgründung erfolgen. Auf den Plätzen folgten ein Projekt zur Zucht und vollumfänglichen Nutzung von Goldschwämmen sowie ein Projekt zum Finden der richtigen WG-Partner, beide von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg eingereicht.

In der Gruppe der Studierenden setzte sich das Projekt „Twin Bottle“ durch, eine Glasflasche mit Kork-und Plastikummantelung. Die Kombination aus den Materialien soll einerseits vor Glasbruch schützen und andererseits gesundheitsförderlich. Auf Platz zwei folgte eine Geschäftsidee Mittweidaer Studierender, bei der mittels künstlicher Intelligenz eine computergestützte Erkennung von Hautkrebs erfolgen soll. Platz drei sicherte sich eine Chemnitzer Studentengruppe, die unter dem Namen „Woodley“ Fahrräder aus Holz fertigen möchte. Einen von der Chemnitzer Firma Chemmedia gestifteten Sonderpreis sicherte sich ein soziales Projekt: In einem geeigneten Objekt sollen Alterswohnen und Flüchtlingsausbildung miteinander kombiniert werden.

Das Gründernetzwerk Saxeed existiert in seiner jetzigen Struktur mit vier Standorten an den Hochschulen in Chemnitz, Zwickau, Freiberg und Mittweida seit 2006 und betreute seitdem 900 Gründungsideen, aus denen etwa 250 Unternehmen entstanden. Es wird mit Mitteln des Freistaates Sachsen, des Europäischen Sozialfonds und der beteiligten Hochschulen finanziert.