Erster Industriestammtisch des Jahres 2011: Spannende Vorträge und virtuelle Realität
Am 17. Januar trafen sich circa 100 Vertreter der regionalen Wirtschaft zum ersten Industriestammtisch der CWE in den Räumen des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU.
Institutsleiter Professor Reimund Neugebauer erklärte die gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte des IWU, das zusammen mit dem Lehrstuhletat des Professors in 2010 ein Budget von knapp 30 Millionen Euro aufbringen konnte. Neben Forschungen zu Life Sciences, Mobilität und Anlagenbau, sind die energiearme und emissionsfreie Fabrik der Zukunft und der im April beginnende Institutsausbau zentrale Themen der nächsten Monate und Jahre. Im Anschluss konnten die Gäste einen ebenso unterhaltsamen wie informativen Vortrag über die Zukunft, Probleme und Chancen der Elektromobilität verfolgen.
Die anschließende 3-D-Vorführung auf einem der größten interaktiven Virtual-Reality-Systeme Deutschlands zeigte die Möglichkeiten moderner Fabrikplanung. Dreidimensional und in Echtzeit wurde der Eindruck vermittelt, sich mitten in einer Fabrikhalle zu befinden. High-Tech nicht nur zum Staunen, sondern in Anwendung und Praxis. Mit einem kleinen 3-D-Rundflug durch die Chemnitzer Innenstadt endete die Vorführung.
Christoph Zimmer-Conrad, Referatsleiter „Technologiepolitik und Technologieförderung“ im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst erläuterte in seinem Vortrag die Technologie- und Innovationsförderung in Sachsen. Die Produktivität der sächsischen Unternehmen, die FuE betrieben sei seit 2004 um 7 Prozent gestiegen, insgesamt im verarbeitenden Gewerbe in Sachsen jedoch nur um 3,2 Prozent. Nur 11 Prozent der Unternehmen betrieben kontinuierliche FuE, erwirtschafteten aber immerhin 23 Prozent des Industrieumsatzes. Daraus leitete er mehrere Ziele und Aufgaben ab: Zum Beispiel staatliche und unternehmensfinanzierte FuE auf das Niveau der führenden europäischen Regionen bringen, die öffentlich finanzierte Forschung weiter ausbauen, die Unternehmen in der Forschung unterstützen und den Technologietransfer stärken. Sachsen fördere mit 5,9 Prozent der Staatsausgaben die Forschung, im Schnitt stelle der Freistaat ein Volumen von circa 100 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Der Standort Landesdirektion Chemnitz bliebe bei den Förderumfängen auf den ersten Blick zwar hinter Dresden und Leipzig zurück, erreiche aber mit mehr als 50 Einzelprojekten in Chemnitz und der Region einen echten Spitzenwert. Mit mehr als 40 Euro Zuschussvolumen pro Einwohner läge Chemnitz weit über dem sächsischen Durchschnitt von 26 Euro Fördervolumen, so der Referatsleiter.
Mit Mitteln wie der InnoPrämie, dem InnoAssistenten und der Förderung von Einzel- und Verbundprojekten konnten Wirtschaft und Forschung in Chemnitz in 2010 über Zuschussmittel in Höhe von fast 10 Millionen Euro verfügen.
Der Geschäftsführer der CWE Ulrich Geissler berichtete über Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Chemnitz. Für 2010 sei ein deutliches positives Wanderungssaldo festzustellen. Seit den 90er Jahren habe Chemnitz unter Bevölkerungsschwund gelitten, 2006 sei eine erste Trendumkehr zu beobachten gewesen. In 2010 sei die Stadt nach vorläufigen Befunden nunmehr um 138 Bürger angewachsen, so Geissler. Hauptgrund hierfür war, laut einer Zuwandererbefragung, ein Job in der Stadt. Die Bedeutung der Chemnitzer Wirtschaft bei der Schaffung von Arbeitsplätzen spiegle sich auch in der Arbeitsmarktstatistik – im Dezember 2010 sei die niedrige Quote von 10 Prozent Arbeitslosen gemessen worden. Zudem haben die Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes im November schon fast die Werte des Rekordjahrs 2008 erreicht. Die Aufträge überstiegen die Zahlen des Jahres vor der Krise. Die Chemnitzer Industrie befindet sich im Aufwind, so Geissler.

Fotos: Ulf Dahl


