Im Zeichen des Schönherrareals: erster Industriestammtisch  der CWE im Jahr 2007

Zum ersten Industriestammtisch der CWE im Jahr 2007 versammelten sich mehr als 100 Gäste an einem ungewohnten Ort: im Armen Theater auf dem Gelände der Schönherrfabrik.

Mit einer Mischung aus aktuellen Informationen aus der Chemnitzer Wirtschaft, Firmenpräsentationen, Kultur und dem feurigen Einblick in die Produktionsabläufe einer Gießerei gelang eine interessante Auftaktveranstaltung.

Nach der Begrüßung der Gäste ließ der Geschäftsführer der CWE noch einmal das Wirtschaftsjahr 2006 Revue passieren und gab einen ersten Ausblick auf das vor uns liegende Jahr. Wie im erfolgreichen Jahr 2005 konnte nach seinen Angaben das verarbeitenden Gewerbe im vergangenen Jahr sein Umsatz- volumen bis November noch einmal um 4,8 Prozent erhöhen, um denselben Betrag wuchsen auch die Auslandsumsätze der lokalen Industrie. Bedeutende Effekte auf dem industriellen Arbeitsmarkt ergebe das zwar noch nicht. Große Zuwächse würden der Dienstleistungssektor und in diesem besonders der Bereich der Leiharbeit melden.

Mit den Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 70 Millionen Euro könne die Stadt Chemnitz erstmals den größten Teil ihrer Ausgaben aus eigenen Mitteln bestreiten und sei weniger auf Zuwendungen vom Land Sachsen und vom Bund angewiesen. Wichtige Kernprojekte für das Jahr 2007 seien, so Ulrich Geissler, der „Technopark Chemnitz“, die weitere Verbesserung des Standortmarketings sowie eine Optimierung der Kommunikation zwischen der Stadt und der lokalen Wirtschaft.

Im Anschluss schilderte Birgit Eckert von der Schönherr WEBA GmbH in spannender und unterhaltsamer Form die wechselhafte Geschichte des alten Webstuhlbaugeländes nach der Wende bis hin zur heutigen Schönherrfabrik. Zwischen Hoffen, Bangen, Scheitern und erneutem Wiederbeginn konnten die Gäste das Auf und Ab der Entwicklung nach der Wende im Vortrag mit- und nacherleben. Während große Teile des Areals inzwischen wieder industriell genutzt werden, blieb die Aufgabe der Vermarktung der Fläche, die wir heute als Schönherrfabrik kennen. Aus mutigen kleinen gastronomischen Anfängen entstand im Lauf der Jahre eine Gewerbeimmobilie mit mehr als 9000 Quadratmetern Nutzfläche, die neben Gastronomie, Handel, Sport- und Gesundheitseinrichtungen ungefähr 120 Mietern eine maßgeschneiderte Heimat bietet. Mit ihrem kleinen Team bietet Birgit Eckert Flächen und Strukturen, die so gebaut sind, wie der Kunde es braucht. Das Prinzip „Alles aus einer Hand, alles selbst vermietet und auch selbst verwaltet“ schuf über die Jahre einen Standort, der Tag und Nacht lebt.

Diesmal bekam der Industriestammtisch auch einen Touch von Kultur. Zum einen weil er in den Räumen des Vereins Armes Theater e.V., einem der Mieter der Schönherrfabrik, stattfand; zum anderen weil das Theater einen Ausschnitt aus einem Stück von Ernst Jandl aufführte. Anschließend nutzte Liane Günther, die Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Armen Theaters, die Gelegenheit einige Gedanken zum Thema Leistung zu äußern. Leistung könne man nicht allein aus dem Markt heraus bestimmen, sondern sie sei immer abhängig von den Ressourcen, die man in sich habe. Ziel ihrer Arbeit sei es, Kindern und Jugendlichen die eigenen Ressourcen begreiflich und nutzbar zu machen. Mit zehn Mitarbeitern, die zum großen Teil aus der Arbeitslosigkeit kamen, bestreite das Arme Theater 120 Vorstellungen im Jahr für mehr als 10.000 Besucher. Das jährliche internationale Theaterfestival sei dabei einer der Höhepunkte im Veranstaltungsjahr.

Den Abschluss der Vorträge bildete der Beitrag von Markus Trompetter, Geschäftsführer der Trompetter Guss Chemnitz GmbH, dessen Unternehmen für die industrielle Weiternutzung des ehemaligen Webstuhlbaus steht. Seit 1880 wird an dieser Stelle Guss produziert, Markus Trompetter übernahm im Jahre 2000 im Rahmen einer Betriebsfortführung die Geschicke des traditionsreichen Standorts. Seit diesem Zeitpunkt wurden 16 Millionen Euro in Anlagen, Grundstücke und Gebäude investiert. Mit einem Stamm von verbliebenen 64 Mitarbeitern begann auf dem Gelände der Wiederaufstieg der Gussindustrie. Inzwischen beschäftigt Trompetter Guss Chemnitz 240 Mitarbeiter und 15 Auszubildende.

Besonderen Wert legt Markus Trompetter auf die Feststellung, dass seine qualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter eine der wesentlichen Ressourcen seines Betriebes seien. Gerade von den Kenntnissen und Fähigkeiten der älteren Mitarbeiter profitiere das Unternehmen. Zwar sei der Altersschnitt in seiner Firma inzwischen um einige Jahre gesunken, aber nur ein Mix aus älteren und jüngeren Arbeitnehmern würde ideale Produktivität schaffen. Es sei ihm daher unverständlich, wenn Arbeitnehmer über 50 in Deutschland nicht mehr geschätzt würden. Mit Kunden aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Automobilindustrie; mit Produkten wie Gasarmaturen, Gehäusen, Bremssätteln und Gehäusepumpen machte die Gießerei im vergangenen Jahr 26 Millionen Euro Umsatz und konnte über die Jahre ihre Produktivität steigern. Während zu Beginn nur in Maschinen investiert wurde, konnten später auch die Gebäude saniert werden. Besondere Aufmerksamkeit galt hierbei der Lärmdämmung in den teilweise denkmalgeschützten Gebäuden. Abschließend zeigte sich Markus Trompetter von der Wirtschaftsfreundlichkeit und der Wirtschaftsförderung in Chemnitz beeindruckt und bedankte sich besonders bei der CWE.

Während des anschließenden Get-Together war auch Gelegenheit, die Produktion von Trompetter Guss Chemnitz zu besichtigen. Im Verlauf der Führung wurde den Gästen des Industriestammtisches ein beeindruckender Einblick in die Parallelität von High-Tech-Maschinenpark und archaisch schmelzendem Metall geboten.